Die verlassene Seilbahnstation – Teil 2

Was bisher geschah…

Oben und Innen. Die Sonne stand bereits recht tief, und so war Eile geboten, um die zu erwartende ausgedehnte Fotosession noch bei gutem Tageslicht zu Ende zu bringen. Also Gepäck in die Hütte bringen und los. Wir waren uns recht schnell einig, in welcher Suite wir die Nacht verbringen wollten – unerwarteterweise war das Gebäude im Inneren teilweise in weit besserem Zustand als es der äußere Anschein zunächst vermuten lies. Beton vergeht, Holz besteht – und so konnten wir uns in urig-muffigem Skihüttenambiente häuslich einrichten.

Komm'se rein

Komm'se rein

Das Hauptgebäude der Bergstation ist in drei Stockwerken direkt an und in den Fels gebaut. Im hinteren Teil erstreckt sich über alle drei Etagen ein Gewirr aus großen und kleinen Seilrollen, Spanngewichten und diversen Eisenkonstruktionen zum Spannen der Seile. In der unteren Etage befand sich der Zugang zu den beiden außenliegenden Ein- und Ausstiegen zu den Kabinen, durch einen großen Raum ging es von dort direkt in den Skitunnel. Außerdem stand dort noch ein großer Stromgenerator, den nach der Stilllegung der Station wohl mal jemand versucht hat, abzutransportieren – weiter als bis zur Tür ist er damit allerdings nicht gekommen. Im mittleren Stockwerk gibt es ein paar kleinere Räume, die offenbar als Werkstatt und zur Unterkunft genutzt wurden. In der oberen Etage gibt es einen großen Raum, der wohl gleichzeitig als Küche und Aufenthaltsraum für das Personal genutzt wurde. Dieser ist noch recht gut erhalten, es gibt diverse Küchenutensilien, einen Stapel Decken und sogar noch mehr oder weniger schlecht erhaltene Lebensmittel vergangener Epochen.

 

Tunnelblick nach draußen

Tunnelblick nach draußen

Der Skitunnel. Wohl eines der interessantesten Objekte dort oben ist der Skitunnel, der wie eine Kerbe über mehrere hundert Meter in den Fels gehauen wurde und nach oben und zur Hangseite hin mit mittlerweile recht morschen Betonwänden versehen wurde. Diesen haben wir ausgiebig bis zur ins Nichts führenden Ausgangstür untersucht. In den Wänden zur Hangseite hin gibt es mittlerweile einige Löcher, und an den inneren Felswänden tropft an einem warmen Nachmittag des Schmelzwasser des über dem Tunnel liegenden Schnees in Strömen herab. Wir hatten schon befürchtet, auf dem Grat Schnee zum Kochen und Trinken besorgen zu müssen, aber hier war Wasser doch sehr viel bequemer und gut gefiltert erhältlich. Man sollte sich allerdings seinen Wasserbedarf für den nächsten Tag schon am Abend abzapfen, denn morgens sind hier alle Quellen versiegt.

Die Matterhorn-Sache (2). Nachdem das Wasser besorgt war, konnte der Kocher angeworfen werden, und Jürgen hatte bereits den Tisch für das Candlelight-Dinner dekoriert. Zeit, die Erlebnisse des Tages sacken zu lassen und mal den Ruhepuls zu fühlen:  Über 100 bpm, weit über dem Durchschnitt. Kein Wunder, gestern morgen befand ich mich noch gut 3.000 Meter tiefer. Unser Plan war immer noch, am nächsten Tag zunächst 1.000 Meter tiefer hinüber zum Rifugio Duca degli Abruzzi zu queren und von dort zum Rifugio Carrel auf 3.800 Meter aufzusteigen. An einem Tag. Wir hatten den ganzen Tag bei unserem Aufstieg Kletterer mit dem Fernglas beobachten können, die versuchten, in einer recht steilen Felsspalte zum Colle del Leone aufzusteigen. Über mehrer Stunden hinweg sah man sie kaum vorankommen. Spätestens jetzt entstanden bei mir erste Zweifel, ob ich mit meinem üppigen Gepäck und der sehr suboptimalen Akklimatisation in der Höhe wirklich in steilem Fels rumklettern wollte.
Naja, warten wir mal ab, wie es morgen sein wird – schnarch…

Der Abstieg. Am nächsten Morgen gönnten wir uns erstmal einen recht ausgiebigen Schönheitsschlaf, irgendwie waren wir ja beide recht fertig vom Aufstieg und der Höhe. Beim Frühstück waren dann plötzlich deutliche Schritte im Gebäude zu hören, ohne dass man ihren Ursprung aber genau lokalisieren konnte. Höhenkrankheit? Halluzinationen? Ein Gang nach draußen brachte dann Klarheit und die Begegnung mit zwei Schweizer Bergsteigern, die am frühen Morgen von Zermatt aus über den Grat hinauf geklettert waren und nun hier gemütlich ihr Frühstück zu sich nahmen.
Wir hatten noch ein wenig Arbeit vor uns, schließlich galt es, unsere Mission zu vollenden und den Cache zu verstecken: Funivia del Furggen
Spontan entstand nebenher noch ein kurzes Video vom Innenleben der Bergstation (dass ein Video nicht so stark verwackelt, wenn man sich beim drehen ruhiger bewegt, wusste ich leider vorher nicht, hehe – ich hoffe die Hintergrundmusik reisst es noch etwas raus):

Video Funivia del Furggen auf Vimeo.

Kurz vor Mittag ging es dann an den Abstieg – das erste Stück vom Geländer der Station seilten wir uns über das extrem lose Geröll ca. 50 Meter ab, bis wir auf Schnee wieder festen Halt hatten. Hier sahen wir dann auch die Spuren der beiden Schweizer, die offenbar ohne Steigeisen dort gequert hatten, entsprechend lange Rutschspuren waren unübersehbar! Dann kam noch der sehr schwierige Abstieg durch die steile Schneewand, mit dem Sturz von gestern im Bewusstsein bin ich hier lieber auf Nummer Sosicherwiemöglich gegangen, womit sich das Ganze dann noch ziemlich hinaus zog, und wir letztendlich gegen Abend endlich am Rifugio Abruzzi ankamen.

Die Matterhorn-Sache (Ende). Das Rifugio hatte zu unserem Pech geschlossen, nicht ein einziger Raum, in dem man notdürftig hätte nächtigen können, war geöffnet. Da wir wohl beide den Aufstieg aufs Horn im Laufe des Tages mehr oder weniger unausgesprochen abgeschrieben hatten, hielt sich die Enttäuschung im Rahmen. Im Nachhinein muss man sagen: Wenn man aufs Matterhorn will, sollte man nicht noch kiloweise Extragepäck dabeihaben, das man eigentlich nur zur Erkundung eines Lost Place benötigt. Unsere schlechte Akklimatisation war natürlich auch noch ein Punkt, aber ich denke mal, leichtgewichtig ausgerüstet und erholt nach einer Nacht im Rifugio wäre ein Aufstiegsversuch zumindest mal in Frage gekommen.
So ging es nun bei langsam einsetzender Dunkelheit auf schmalen Pfaden und Almwegen hinunter und zurück nach Cervinia. Ein echtes Abenteuer ging damit zu Ende.

Noch ein paar weiterführende Informationen
Die Websites, die uns bei der Planung am meisten geholfen haben:
Quasi die Referenz in Sachen Furggenbahn: Thread in alpinforum.com
Topokarte vom Gebiet online: mapplus.ch
Hier gibts noch mehr Bilder und Infos: retrofutur.org
Außerdem hat Jürgen in seinem Blog-Artikel die interessantesten Daten und Fakten aus den oben genannten Quellen extrahiert, so daß ich hier nicht im Detail darauf eingehen werde: Hoch oben im Lost Place
Neueste Fundstücke mit interessanten Aufnahmen: funivie.org (Mit Foto vom Seilriss ’93!)

Tracklog Aufstieg

Tracklog Aufstieg

Download Track Aufstieg (Mapsource Format)


Und last but not least der Grund, warum es mit Teil 2 so lang gedauert hat:
Die Gallerie.Viel Spass beim Anschauen!

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11 Antworten auf Die verlassene Seilbahnstation – Teil 2

  1. Danke für den Tipp, wir sind in der Planung ;-)
    Sag doch bitte was für eine geniale Musik Du im Video genommen hast!
    Echt genial, passt perfekt zur Location!
    Gruß
    ‘dr
    Allgäu-Biker

  2. Pingback: GC22223 – Funivia del Furggen | TKKA

  3. Sodelet, gestern kamen wir zurück von der Station – ich bin noch immer halb dort.. die Kombination Berge und lost place ist hier der absolute Knaller! Wir hatten Glück mit dem Wetter, Aufstieg mit kurzen Ärmeln bis ganz hoch, halbwegs Fön und gute Sicht, gemütlicher Abend mit “Fernsehen”, eine gute Nacht. Super. Gäbe es noch halbwegs gut erreichbare Ziele – wir hätten glatt um einen Tag verlängert! :-)

    Dankeschön Ralf! Das war ein obergeniales Erlebnis.

  4. Pingback: Dosenfischen – der Podcast 128b | Geocaching Podcast DOSENFISCHER

  5. Supersabs sagt:

    Vielen Dank für den schönen zweiten Teil.
    Gut zu lesen und tolle Bilder :-)
    Ich freue mich schon auf nächstes Jahr.
    Nochmal vielen Dank fürs Legen,
    Supersabs

  6. Menschenskind – das ist ja halbwegs Winterraumromantik dort oben…. Mal schauen…. ;-)

  7. JR849 sagt:

    Das Bild vom Tracklog zeigt nochmal deutlich deinen Umweg auf den letzten Metern. Toller Extraschnörkel! :lol:

  8. 42Cacher sagt:

    Jetzt habe ich noch mehr Lust da hoch zu klettern, aber Dank meiner Nachtschicht im September wird das dieses Jahr nichts mehr. Also reichlich Zeit für die Planung im nächsten Jahr…

    Allen, die es jetzt noch versuchen, wünsche ich viel Glück und Erfolg!

    Stefan

  9. Pingback: Die verlassene Seilbahnstation – Teil 1 | Cacheville

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